Es gibt einen besonders doofen Streit in der linken Szene. Ich nenne mal keine Namen, denn der Streit selber ist älter als diese Leute, und benenne stattdessen die impliziten unterschiedlichen Definitionen dahinter.
Gruppe A:
A1. Demokratie ohne Adjektiv davor: Herrschaft der Massen.
A2.
bürgerliche Demokratie: Einschränkung dieser Massenherrschaft wenn es um Eigentumsprivilegien geht. Formell geschieht das durch Hürden (qualifizierte Mehrheiten von 2/3 oder höher, Beteiligungsquoren), Ausbremsen (Einschnitte in Privateigentum müssen mehrfach abgesegnet werden von verschiedenen Gruppen), oder auch Totalverbot (Ewigkeitsklauseln zum Schutz des Eigentums).
Gruppe B:
B1. Kommunismus als Ziel: Eine Gesellschaft ohne Klassen (hier kann Konsens sein mit Gruppe A)
B2. Staat: Apparat, mit der die herrschende Klasse den Rest unterdrückt. Dies wird gesetzt nicht als eine Aufgabe des Staates oder die Hauptaufgabe, sondern als
alles, was den Staatsapparat ausmache.
B3: Demokratie: Eine Methode, wie der Staat organisiert sein kann. Und nur der Staat.
Wenn man B1 und B2 nimmt, dann ergibt sich ganz banal daraus, dass im entwickelten Kommunismus der Staat abgestorben ist. Und legen wir B3 dazu, dann löst sich auch die Frage in Luft auf, ob diese zukünftige Welt demokratisch organisiert sein soll. Das erscheint jemandem aus Gruppe B wie die Frage, ob ein Glatzkopf sich das Kopfhaar rot färben soll. Und so wundert sich ein Mensch der Gruppe B über die Dummheit der Außenstehenden.
Die impliziten Definitionen sind exotisch und deshalb, und
nur deshalb, ist die Debatte zwischen A und B für normale Menschen wirr. Und wenn man das explizit macht, was bleibt dann noch zu debattieren übrig?
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